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Ratgeber · Krankenversicherung

Versicherungs­pflicht­grenze 2027: Die Grenze steigt stärker als üblich

Zum 1. Januar 2027 hebt ein Gesetz die Versicherungspflichtgrenze zusätzlich um 3.600 Euro an. Wer 2027 in die private Krankenversicherung wechseln wollte, muss neu rechnen. Und wer schon privat versichert ist, sollte seine eigene Grenze kennen.

, Versicherungsmakler, Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO · Stand:

Kurz gesagt

Wie hoch ist die Versicherungs­pflicht­grenze 2027?

Die Versicherungspflichtgrenze (amtlich: Jahresarbeitsentgeltgrenze) soll 2027 bei 84.150 Euro im Jahr liegen, 7.012,50 Euro im Monat. So hat es die Bundesregierung am 7. Oktober 2026 beschlossen; der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen. Der Wert enthält eine gesetzliche Sonderanhebung um 3.600 Euro. Für Angestellte, die am 31. Dezember 2026 schon privat versichert sind, gilt eine eigene Grenze: laut Referentenentwurf 80.550 Euro.

  • 2026 (verbindlich): 77.400 € im Jahr, 6.450 € im Monat
  • Sonderanhebung 2027 um 3.600 €: beschlossen im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
  • Wechsel in die PKV: Entgelt muss die Grenze dieses und des nächsten Jahres übersteigen (§ 6 Abs. 4 SGB V)
  • Privat Versicherte, die durch die Anhebung pflichtig werden: Befreiung binnen drei Monaten (§ 8 SGB V)
  • Ab 55 ist die Rückkehr in die gesetzliche Kasse in der Regel ausgeschlossen (§ 6 Abs. 3a SGB V)

Die Werte

Welche Grenzen gelten in der Kranken­versicherung 2026 und 2027?

Die allgemeine Grenze und die Beitragsbemessungsgrenze 2027 hat das Bundeskabinett am 7. Oktober 2026 beschlossen; die beiden übrigen Werte stehen so im Referentenentwurf vom 21. September 2026. Der Bundesrat muss noch zustimmen. Ich aktualisiere die Tabelle, sobald die Verordnung verkündet ist.

Welche Grenzen gelten in der Krankenversicherung 2026 und 2027?
GrenzeGilt für2026 (verkündet)2027 (noch nicht verkündet)
Allgemeine Versicherungspflichtgrenze (§ 6 Abs. 6 SGB V)Angestellte, die neu in die PKV wechseln wollen, und freiwillig gesetzlich Versicherte77.400 € / 6.450 € im Monat84.150 € / 7.012,50 € im Monat
Grenze für am 31.12.2026 privat Versicherte (§ 6 Abs. 8 SGB V)Angestellte, die am 31.12.2026 wegen ihres Einkommens privat versichert sind—80.550 € / 6.712,50 € im Monat (Entwurf)
Besondere Grenze (§ 6 Abs. 7 SGB V)Angestellte, die schon am 31.12.2002 aus diesem Grund privat versichert waren69.750 € / 5.812,50 € im Monat72.900 € / 6.075 € im Monat (Entwurf)
Beitragsbemessungsgrenze (§ 223 SGB V)Einkommen, bis zu dem die gesetzliche Kasse Beiträge berechnet69.750 € / 5.812,50 € im Monat76.500 € / 6.375 € im Monat

2026: Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026 (BGBl. 2025 I Nr. 278). 2027: Kabinettsbeschluss vom 07.10.2026 (Deutsche Rentenversicherung, Meldung vom 08.10.2026; Bundesregierung), mit „Entwurf“ markierte Werte aus dem Referentenentwurf des BMAS vom 21.09.2026. Die Zustimmung des Bundesrates steht aus. Die Sonderanhebung um 3.600 € ist gesetzlich festgelegt (BGBl. 2026 I Nr. 228).

Hintergrund

Warum steigt die Grenze 2027 so stark?

Normalerweise folgt die Versicherungspflichtgrenze der Lohnentwicklung; für 2027 zählt die des Jahres 2025, laut Entwurf 4,38 Prozent. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24. Juli 2026 schreibt zusätzlich vor, dass die Grenze 2027 um 3.600 Euro höher liegt, ebenso die Beitragsbemessungsgrenze. Die Sonderanhebung ist damit beschlossen; offen ist nur die Verordnung, die die genauen Beträge festsetzt.

Für Angestellte, die am 31. Dezember 2026 wegen ihres Einkommens bereits privat versichert sind, hat der Gesetzgeber eine eigene Grenze eingeführt: Sie steigt 2027 nur mit der Lohnentwicklung, ohne den Zuschlag (§ 6 Abs. 8 SGB V). Wer schon privat versichert ist, wird von der Sonderanhebung damit nicht erfasst.

Die endgültigen Werte setzt die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates fest. Für 2026 hat das Kabinett am 8. Oktober 2025 beschlossen, der Bundesrat am 21. November 2025 zugestimmt. Für 2027 hat das Kabinett am 7. Oktober 2026 beschlossen; die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus. Bis dahin sind die Zahlen nicht endgültig.

Drei typische Lagen

Was bedeutet die neue Grenze für Sie?

Sie wollten zum 1. Januar 2027 in die PKV wechseln

Die Versicherungspflicht endet zum Jahresende nur, wenn Ihr regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Grenze von 2026 überschreitet und auch die von 2027 übersteigt (§ 6 Abs. 4 SGB V). Liegt es 2027 unter der neuen Grenze (laut Kabinettsbeschluss 84.150 Euro), bleiben Sie gesetzlich versichert, auch wenn Sie 2026 darüber lagen.

Sie sind schon privat versichert

Für Sie zählt 2027 die eigene Grenze nach § 6 Abs. 8 SGB V, laut Entwurf 80.550 Euro; wer schon seit 2002 privat versichert ist, hat die niedrigere Grenze nach Absatz 7. Liegt Ihr Entgelt darunter, weil die Grenze steigt, werden Sie versicherungspflichtig und können sich innerhalb von drei Monaten befreien lassen (§ 8 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Abs. 2 SGB V). Die Befreiung lässt sich nicht widerrufen. Sinkt dagegen Ihr eigenes Gehalt unter die Grenze, gibt es diese Befreiung in der Regel nicht.

Sie sind freiwillig gesetzlich versichert

Liegt Ihr Entgelt 2026 über 77.400 Euro, 2027 aber unter der neuen Grenze, werden Sie 2027 wieder pflichtversichert. Die Sonderanhebung um 3.600 Euro gehört nicht zu den Änderungen, die eine Befreiung nach § 8 SGB V erlauben. In die private Krankenversicherung wechseln können Sie in der Regel erst, wenn Ihr Entgelt die jeweils geltende Grenze wieder übersteigt.

So gehen Sie vor

Was ist bis zum Jahreswechsel zu tun?

  1. Entgelt ehrlich hoch­rechnen

    Maßgeblich ist das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt. Dazu zählen Sonderzahlungen, die mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal im Jahr kommen, etwa ein vertraglich zugesagtes Weihnachtsgeld. Prämien, die vom Geschäftsergebnis oder von individueller Leistung abhängen, zählen in der Regel nicht. Ihr Arbeitgeber prüft das zum Jahreswechsel.

  2. Endgültige Werte abwarten

    Hängt Ihre Entscheidung an wenigen hundert Euro, treffen Sie sie erst, wenn auch der Bundesrat der Grenze für 2027 zugestimmt hat.

  3. Einen Wechsel ohne Eile vorbereiten

    Wer 2027 wechseln darf und will, klärt vorher, ob ein Versicherer ihn zu normalen Bedingungen annimmt. Das geht über eine anonyme Voranfrage, bevor ein Antrag aktenkundig wird.

  4. Die Befreiungs­frist nicht verpassen

    Werden Sie als privat Versicherter 2027 versicherungspflichtig, weil die Grenze steigt, haben Sie ab Beginn der Versicherungspflicht drei Monate Zeit für den Befreiungsantrag bei der Krankenkasse. Wirksam wird die Befreiung nur mit dem Nachweis Ihres privaten Schutzes (§ 8 Abs. 2 SGB V).

Krankenversicherungs-Check

Unverbindlich · wenige Fragen · Antwort persönlich von Maximilian Frischholz

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Danach richten sich die weiteren Fragen.

Häufige Fragen

Versicherungs­pflicht­grenze: kurz beantwortet

Ist die Versicherungspflichtgrenze 2027 schon beschlossen?

Vom Kabinett ja, endgültig noch nicht. Die Sonderanhebung um 3.600 Euro steht im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 228). Die genauen Beträge setzt erst die Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2027 fest. Das Kabinett hat sie am 7. Oktober 2026 mit 84.150 Euro beschlossen; der Bundesrat muss noch zustimmen.

Was ist der Unterschied zwischen Versicherungspflichtgrenze und Beitragsbemessungsgrenze?

Die Versicherungspflichtgrenze entscheidet, ob Sie als Angestellter gesetzlich versichert sein müssen. Die Beitragsbemessungsgrenze entscheidet, bis zu welchem Einkommen Beiträge berechnet werden; was darüber liegt, bleibt beitragsfrei. Für 2027 hat das Kabinett 84.150 und 76.500 Euro beschlossen; der Bundesrat muss noch zustimmen.

Zählt das Weihnachtsgeld mit?

Ja, wenn es mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal im Jahr gezahlt wird, etwa weil es im Arbeits- oder Tarifvertrag steht. Zahlungen, die vom Geschäftsergebnis oder von der eigenen Leistung abhängen, zählen in der Regel nicht.

Ich bin über 55. Kann ich zurück in die gesetzliche Kasse?

In der Regel nicht. Wer nach dem 55. Geburtstag versicherungspflichtig wird, bleibt versicherungsfrei, wenn er in den letzten fünf Jahren nicht gesetzlich versichert war und mindestens die Hälfte dieser Zeit versicherungsfrei, befreit oder hauptberuflich selbstständig war (§ 6 Abs. 3a SGB V).

Lohnt sich der Wechsel in die PKV überhaupt?

Das ist keine Frage der Grenze, sondern Ihrer Lage: Familie, Gesundheit, Einkommen im Alter. Der Wechsel ist leicht, der Weg zurück oft nicht. Ich rechne beides durch und sage es auch, wenn die gesetzliche Kasse für Sie besser passt.

Knapp an der Grenze?

Gesetzlich oder privat: Ich rechne mit Ihnen ohne Eile durch, was die neue Grenze für Sie bedeutet.