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Ratgeber · Wohnen

Wasserschaden: Welche Versicherung zahlt was?

Leitungswasser ist in der Wohngebäudeversicherung der größte Kostenblock: 2024 wendeten die Versicherer dafür rund 4,9 Milliarden Euro auf (GDV). Welcher Vertrag im Einzelfall zahlt, entscheidet sich vor allem an einer Frage: Was ist nass geworden?

, Versicherungsmakler, Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO · Stand:

Kurz gesagt

Wer zahlt bei einem Wasserschaden?

Bei einem Leitungswasserschaden hängt die zuständige Versicherung davon ab, was beschädigt wurde. Die Hausratversicherung ersetzt bewegliche Sachen wie Möbel, Kleidung und Elektrogeräte, die Wohngebäudeversicherung das Gebäude selbst, also Wände, Estrich, fest verlegte Böden und Leitungen. Die Privathaftpflicht zahlt, wenn Sie den Schaden bei jemand anderem verursacht haben und dafür haften. Wasser von außen, etwa durch Starkregen oder Rückstau, ist nur mit dem Baustein Elementarschäden versichert.

  • Hausrat: Möbel, Teppiche, Kleidung, Geräte, also alles, was beim Umzug mitgeht
  • Wohngebäude: Estrich, Parkett, Wände, Rohre, also alles, was fest verbaut ist
  • Privathaftpflicht: der Schaden beim Nachbarn, nicht der eigene
  • Frost: versichert, wenn das Haus beheizt oder die Leitungen entleert waren
  • Melden: unverzüglich (§ 30 VVG), nicht „irgendwann in den nächsten Wochen“

Die Abgrenzung

Beweglich oder fest verbaut: Was gehört wohin?

Die Trennung zwischen Hausrat und Gebäude folgt einer einfachen Regel: Was Sie beim Auszug mitnehmen würden, ist Hausrat. Was im Haus bleibt, gehört zum Gebäude. Ein Teppich ist Hausrat, ein verklebtes Parkett ist Gebäude. Bei der Einbauküche ziehen die Musterbedingungen eine klare Linie: Eine eigens für das Gebäude angefertigte und aufwendig eingepasste Küche gehört zum Gebäude, eine serienmäßige Anbauküche zum Hausrat (VGB 2022, A 7.2).

Bei einem geplatzten Rohr sind daher fast immer zwei Versicherungen beteiligt: Die Wohngebäudeversicherung zahlt Trocknung, neuen Estrich und die Reparatur des Rohres. Die Hausratversicherung ersetzt das durchnässte Sofa und den kaputten Fernseher. Beide Meldungen gehören am selben Tag raus.

Wer zur Miete wohnt, braucht in der Regel nur die Hausratversicherung. Das Gebäude ist Sache des Vermieters. Nach den Musterbedingungen zahlt die Hausratversicherung des Mieters sogar die Reparatur von Bodenbelägen, Innenanstrichen und Tapeten nach einem Leitungswasserschaden (VHB 2022, A 13.2.8). Wer eine Eigentumswohnung besitzt, sollte prüfen, was die Gebäudeversicherung der Eigentümergemeinschaft abdeckt und wo das Sondereigentum anfängt. Genau an dieser Nahtstelle entstehen Lücken.

Sind Hausrat und Gebäude bei Ihnen lückenlos versichert?

An der Nahtstelle zwischen beiden Verträgen und beim Elementarbaustein lohnt ein zweiter Blick.

Im Winter

Frost: Was verlangt der Vertrag in der kalten Jahreszeit?

Frostschäden sind versichert: Das geplatzte Rohr und die Folgen am Gebäude zahlt die Wohngebäudeversicherung (VGB 2022, A 4.3), nasse Möbel und Geräte die Hausratversicherung als Leitungswasserschaden (VHB 2022, A 5.2). Die Musterbedingungen knüpfen das aber an eine Sicherheitsvorschrift: In der kalten Jahreszeit müssen Gebäude und Wohnung beheizt und genügend häufig kontrolliert werden. Alternativ sind alle wasserführenden Leitungen abzusperren, zu entleeren und entleert zu halten (VGB 2022, A 20.1.3; VHB 2022, A 21.1). Nicht genutzte Gebäude müssen zu jeder Jahreszeit kontrolliert und entleert sein.

Wer diese Vorschrift verletzt, riskiert den Schutz: Bei Vorsatz ist der Versicherer leistungsfrei, bei grober Fahrlässigkeit darf er nach der Schwere des Verschuldens kürzen. Hat die Verletzung den Schaden nachweislich nicht verursacht, bleibt er zur Leistung verpflichtet (§ 28 VVG). Die Frage „Wurde geheizt?“ gehört deshalb zu den ersten, die ein Versicherer nach einem Frostschaden stellt.

Im Alltag heißt das: Wer über den Jahreswechsel verreist, lässt die Heizung auf niedriger Stufe laufen oder lässt nach der Wohnung sehen. Wer ein Haus leer stehen hat, eine Gartenlaube oder eine Garage mit Wasseranschluss, sperrt die Leitungen ab und entleert sie, auch den Außenwasserhahn.

Was oft nicht versichert ist

Vier Lücken, die viele erst im Schadenfall bemerken

Regenwasser von außen

Wasser, das bei Starkregen von außen eindringt oder durch ein offen gelassenes Fenster kommt, ist kein Leitungswasserschaden. Für Starkregen braucht es den Zusatzbaustein Elementarschäden, und der fehlt in vielen älteren Verträgen.

Rückstau aus der Kanalisation

Drückt Regenwasser aus dem Kanal zurück ins Haus, greift die normale Deckung nicht. Rückstau ist Teil der Elementardeckung, und in rückstaugefährdeten Räumen müssen Rückstausicherungen funktionsbereit sein (VGB 2022, A 20.1.4).

Abwasserrohre außerhalb und unter dem Haus

Versichert sind in den Musterbedingungen Rohre im Gebäude und Zuleitungen auf dem Grundstück. Abwasserrohre außerhalb des Hauses und Rohre unter der Bodenplatte nur, wenn es eigens vereinbart ist (VGB 2022, A 4.3 und A 4.4).

Grobe Fahrlässigkeit

Wer einen Schaden grob fahrlässig herbeiführt, muss mit einer Kürzung rechnen (§ 81 VVG). Gute Tarife verzichten auf diesen Einwand. Das ist einer der wichtigen Unterschiede zwischen zwei Angeboten, die gleich teuer aussehen.

Häufige Fragen

Was Betroffene zum Wasserschaden fragen

Muss ich den Schaden sofort melden?

Ja. Das Versicherungsvertragsgesetz verlangt eine unverzügliche Anzeige (§ 30 VVG). Unverzüglich heißt: ohne schuldhaftes Zögern, in der Praxis am selben oder am nächsten Tag. Wer wochenlang wartet, riskiert die Leistung.

Darf ich aufräumen, bevor der Versicherer da war?

Sie dürfen und müssen sogar das Nötige tun, damit der Schaden nicht größer wird (§ 82 VVG). Die Kosten dafür erstattet der Versicherer, soweit Sie sie für geboten halten durften (§ 83 VVG). Vorher: Fotos aus jedem Winkel. Und werfen Sie nichts weg, bevor der Schaden anerkannt ist.

Wer zahlt, wenn Wasser in die Wohnung unter mir läuft?

Für den Schaden beim Nachbarn kommt Ihre Privathaftpflichtversicherung auf, wenn Sie ihn schuldhaft verursacht haben. Trifft Sie kein Verschulden, zahlen die Hausrat- und die Gebäudeversicherung des Nachbarn. Ihre eigenen Sachen ersetzt Ihre Hausratversicherung. Sagen Sie dem Nachbarn keine Zahlung zu, bevor Ihr Versicherer die Sache geprüft hat.

Meine Wohnung stand im Winter leer, und ein Rohr ist geplatzt. Zahlt die Versicherung?

Grundsätzlich ja, Frostschäden sind versichert. Der Versicherer wird aber fragen, ob die Wohnung beheizt und kontrolliert oder die Leitungen entleert waren. War das nicht der Fall, darf er je nach Verschulden kürzen oder bei Vorsatz ganz ablehnen, außer der Verstoß hat den Schaden nachweislich nicht verursacht (§ 28 VVG). Wird ein Haus gar nicht mehr genutzt, kann das außerdem eine Gefahrerhöhung sein, die Sie dem Versicherer anzeigen müssen (§ 23 VVG). Die Einzelheiten stehen im Ratgeber „Leerstand melden“.

Zahlt die Versicherung auch die Trocknung und ein Hotel?

Die Trocknung von Wänden und Estrich gehört zum Gebäudeschaden. Hotelkosten sehen die Musterbedingungen der Hausratversicherung vor, wenn die Wohnung unbewohnbar ist, begrenzt auf eine Höchstdauer und einen Tagessatz, die der Vertrag festlegt (VHB 2022, A 13.2.3).

Sind Wasserbetten und Aquarien versichert?

Wasser, das bestimmungswidrig aus Wasserbetten oder Aquarien austritt, gilt in den aktuellen Musterbedingungen als Leitungswasser (VGB 2022, A 4.2.5; VHB 2022, A 5.2.5). Nicht versichert ist der Inhalt des Aquariums. Ältere Verträge können enger sein.

Unsicher, wie es bei Ihnen aussieht?

Wir sehen uns Ihre Verträge an und sagen Ihnen, was bei Ihnen gedeckt ist und was nicht. Das kostet Sie nichts. Wir werden über die Courtage vergütet. Und wenn nichts zu ändern ist, hören Sie auch das.