Nach einem Umzug in eine größere Wohnung
Die Summe wurde für 60 Quadratmeter gebildet, gewohnt wird auf 110. Der Vertrag läuft unverändert weiter — und ist ab dem Umzugstag unterversichert.
Ratgeber · Wohnen
Der Denkfehler, der die meisten Hausratverträge betrifft — und der erst auffällt, wenn es zu spät ist.
Kurz gesagt
Unterversicherung liegt vor, wenn die vereinbarte Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Wert des Hausrats. Der Versicherer kürzt dann jede Entschädigung im selben Verhältnis — auch bei kleinen Schäden, die weit unter der Versicherungssumme liegen. Wer zu 50 Prozent versichert ist, bekommt bei einem Schaden von 4.000 Euro nur 2.000 Euro, obwohl die Summe rechnerisch gereicht hätte.
Die Rechnung
Viele halten die Versicherungssumme für eine Obergrenze: Solange der Schaden darunter bleibt, wird voll gezahlt. Das ist der Denkfehler. Die Versicherungssumme ist kein Deckel, sondern ein Maßstab — der Versicherer prüft, in welchem Verhältnis sie zum tatsächlichen Wert steht, und wendet dieses Verhältnis auf jede Entschädigung an.
Ein Beispiel macht es deutlich: Der Hausrat einer Wohnung ist 80.000 Euro wert, versichert sind 40.000 Euro. Ein Einbruch verursacht 6.000 Euro Schaden. Obwohl die Versicherungssumme rechnerisch gereicht hätte, zahlt der Versicherer nur die Hälfte: 3.000 Euro. Das ist keine Willkür, sondern die gesetzliche Regel aus § 75 VVG.
Die meisten Versicherer bieten einen Ausweg an, der nichts kostet: Wer die Versicherungssumme nach der Quadratmeter-Faustregel bildet, bekommt einen Unterversicherungsverzicht. Der Versicherer verzichtet dann darauf, im Schadenfall nachzurechnen. Ob dieser Verzicht in Ihrem Vertrag steht, ist die wichtigste einzelne Frage an eine Hausratpolice.
Wann es gefährlich wird
Die Summe wurde für 60 Quadratmeter gebildet, gewohnt wird auf 110. Der Vertrag läuft unverändert weiter — und ist ab dem Umzugstag unterversichert.
Eine neue Küche, ein Heimkino, ein E-Bike in der Wohnung: Solche Käufe heben den Wert deutlich, und niemand denkt dabei an die Police.
Schmuck, Sammlungen, Möbel aus einem Nachlass. Für Wertsachen gelten außerdem eigene Höchstgrenzen, die oft niedriger sind als der tatsächliche Wert.
Eine Summe von vor zwanzig Jahren ist heute eine andere Summe. Preise für Möbel, Geräte und Handwerkerleistungen sind seither deutlich gestiegen.
Häufige Fragen
Die gängige Faustregel lautet 650 bis 700 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Wer sie anwendet, bekommt bei den meisten Versicherern einen Unterversicherungsverzicht. Genauer ist eine echte Aufstellung: Raum für Raum durchgehen und die Wiederbeschaffungswerte addieren — das lohnt sich vor allem bei Wertsachen.
Eine Zusage des Versicherers, im Schadenfall nicht zu prüfen, ob die Summe gereicht hätte. Er gilt meist unter der Bedingung, dass die Summe nach der Quadratmeter-Faustregel gebildet wurde. Steht er im Vertrag, ist das Thema erledigt.
Ja, das geht formlos und gilt ab der Bestätigung durch den Versicherer. Der Beitrag steigt entsprechend. Wichtig: Eine Erhöhung wirkt nicht rückwirkend — für einen Schaden von gestern gilt die Summe von gestern.
Dort gibt es dasselbe Problem in anderer Form. Bei Gebäuden wird meist mit dem gleitenden Neuwert und dem Wert 1914 gerechnet, der jährlich angepasst wird. Verträge ohne diese Anpassung sind nach einigen Jahren regelmäßig unterversichert.
Wir sehen uns Ihren Vertrag an und sagen Ihnen, was Ihre Versicherungssumme taugt. Kostenlos, und wenn nichts zu ändern ist, hören Sie auch das.