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Ratgeber · Gesundheit

Wartezeit und Zahnstaffel: Warum die Zahn­zusatz­versicherung anfangs weniger zahlt

Zwei Begriffe entscheiden darüber, was Sie in den ersten Jahren bekommen. Beide stehen nicht auf der Vorderseite des Prospekts.

, Versicherungsmakler, Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO · Stand:

Kurz gesagt

Was ist die Zahnstaffel, und was unterscheidet sie von der Wartezeit?

Die Zahnstaffel begrenzt die Erstattung einer Zahnzusatzversicherung in den ersten Versicherungsjahren auf Höchstbeträge, häufig in den ersten drei bis fünf Jahren. Die Wartezeit ist ein Zeitraum ab Versicherungsbeginn, in dem gar nicht gezahlt wird; für Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie darf sie höchstens acht Monate dauern (§ 197 VVG). Behandlungen, die vor Vertragsbeginn angeraten oder begonnen wurden, sind in der Regel gar nicht versichert.

  • Wartezeit für Zahnleistungen: höchstens acht Monate ab Versicherungsbeginn (§ 197 VVG)
  • Zahnstaffel, Beispiel der Verbraucherzentrale: 500 Euro im ersten, 1.000 Euro in den ersten zwei Jahren
  • Ein Verzicht auf die Wartezeit ist kein Verzicht auf die Zahnstaffel
  • Ordentlich kündigen darf der Versicherer nur in den ersten drei Versicherungsjahren (§ 206 Abs. 2 VVG)

Im Vergleich

Wartezeit, Zahnstaffel, Vorbehandlung: Was bremst die Leistung?

Wartezeit, Zahnstaffel, Vorbehandlung: Was bremst die Leistung?
FrageWartezeitZahnstaffelAngeratene oder begonnene Behandlung
Was sie bewirktFür Behandlungen in dieser Zeit zahlt der Versicherer nichtDer Versicherer zahlt, aber nur bis zu einem HöchstbetragDie Behandlung ist vom Schutz ausgenommen
Wie langeAb Versicherungsbeginn, für Zahnleistungen höchstens acht MonateMeist die ersten drei bis fünf VersicherungsjahreFür diesen Befund, nach den Tarifbedingungen
Grundlage§ 197 VVG, MB/KK § 3Tarifbedingungen (das Gesetz regelt sie nicht)MB/KK § 2 und Tarifbedingungen
Bei einem UnfallDie allgemeine Wartezeit entfällt (MB/KK § 3 Abs. 2); für Zahnleistungen regelt es der TarifRegelt der Tarif, also ausdrücklich danach fragenEin Unfall nach Versicherungsbeginn ist keine Vorbehandlung
Was hilftManche Tarife verzichten darauf; die Musterbedingungen sehen dafür ein ärztliches Zeugnis vor (MB/KK § 3 Abs. 4)Früh abschließen, dann ist sie abgelaufen, bevor größere Arbeiten anstehenNur ein Abschluss, bevor ein Befund vorliegt

Nach § 197 VVG, den Musterbedingungen MB/KK 2009 (Stand Juni 2024) und der Verbraucherzentrale (Stand 23.07.2026). Maßgeblich sind die Bedingungen des einzelnen Tarifs.

Die Zahnstaffel

Wie wird die Zahnstaffel gezählt?

Die Staffel nennt Höchstbeträge für die ersten Versicherungsjahre. Im Beispiel der Verbraucherzentrale sind es 500 Euro im ersten Jahr und 1.000 Euro in den ersten zwei Jahren. Das ist eine gemeinsame Grenze: Wer im ersten Jahr die 500 Euro ausschöpft, hat für das zweite Jahr noch 500 Euro übrig, nicht 1.000. Nach dem Ende der Staffel sollte keine jährliche Obergrenze mehr gelten.

Der Gedanke dahinter: Wer erst abschließt, wenn größere Arbeiten absehbar sind, soll den Vertrag nicht sofort voll ausschöpfen können. Für Sie heißt das: Der Schutz baut sich über die Jahre auf. Wer früh abschließt, hat die Staffel hinter sich, bevor Kronen und Brücken wahrscheinlicher werden.

Welche Leistungen auf die Staffel angerechnet werden (nur Zahnersatz oder auch Füllungen, Wurzelbehandlung und Zahnreinigung), steht in den Tarifbedingungen. Dort steht auch, ob sie nach einem Unfall gilt.

Die Erstattung

Was heißt „90 Prozent“ bei einer Zahn­zusatz­versicherung?

Zwei Tarife mit derselben Zahl können sehr Verschiedenes zahlen. Entscheidend ist, wovon die Prozente gerechnet werden. Die Verbraucherzentrale rät zu einer Leistung, die sich auf den privaten Rechnungsbetrag bezieht, nicht nur auf den Teil, den die Kasse bezuschusst.

Was heißt „90 Prozent“ bei einer Zahnzusatzversicherung?
Wie der Tarif rechnetWas der Versicherer zahltWas bei Ihnen bleibt
90 % des Rechnungsbetrags, die Kassenleistung wird angerechnetDie Differenz zwischen 90 % der Rechnung und dem Festzuschuss der Kasse10 % der Rechnung
90 % des Betrags, der nach der Kassenleistung übrig bleibt90 % Ihres Eigenanteils10 % des Eigenanteils (weniger als in der Zeile darüber)
Leistung an Festzuschuss oder Regelversorgung ausgerichtetEinen Betrag, der sich an der Kassenleistung orientiert, nicht an der RechnungAlles darüber: je teurer die gewählte Versorgung, desto mehr

Rechenweg ohne Zahnstaffel und Höchstbeträge. Hinzu kommt, bis zu welchem Satz der Gebührenordnung für Zahnärzte erstattet wird: Über den 2,3-fachen Satz darf der Zahnarzt mit Begründung hinausgehen, bis zum 3,5-fachen (§ 5 GOZ).

Häufige Fragen

Was zum Zahnzusatz gefragt wird

Gibt es Tarife ohne Wartezeit?

Ja. Die Musterbedingungen erlauben einen Erlass der Wartezeit, wenn der Tarif das vorsieht und ein ärztliches Zeugnis vorliegt (MB/KK § 3 Abs. 4); manche Zahntarife verzichten ganz darauf. Über die Zahnstaffel sagt das nichts. Beides steht getrennt in den Bedingungen. Ein Tarif ohne Wartezeit ist deshalb nicht automatisch der bessere.

Woher weiß ich, ob bei mir schon eine Behandlung „angeraten“ ist?

Fragen Sie vor dem Antrag in Ihrer Zahnarztpraxis nach: Gibt es einen Befund, eine Empfehlung oder einen Heil- und Kostenplan? Sie haben Anspruch auf Einsicht in Ihre Patientenakte (§ 630g BGB). Im Leistungsfall kann der Versicherer mit Ihrer Einwilligung die Unterlagen des Zahnarztes anfordern (§ 213 VVG). Was dort steht, sollte zu Ihren Antworten im Antrag passen. Was die Kürzel in einem Heil- und Kostenplan bedeuten, erklärt der Ratgeber „Heil- und Kostenplan verstehen“.

Gilt die Wartezeit auch für Kieferorthopädie bei Kindern?

Ja, die besondere Wartezeit von höchstens acht Monaten gilt auch für Kieferorthopädie (§ 197 VVG). Die Kasse zahlt eine kieferorthopädische Behandlung nur, wenn die Fehlstellung Kauen, Beißen, Sprechen oder Atmen erheblich beeinträchtigt oder zu beeinträchtigen droht (§ 29 SGB V); wer zu Beginn der Behandlung 18 oder älter ist, bekommt sie nur bei schweren Kieferanomalien (§ 28 Abs. 2 SGB V). Ist eine Fehlstellung schon festgestellt, nehmen Versicherer die Behandlung in der Regel nicht mehr in den Schutz.

Zahlt die Versicherung auch professionelle Zahnreinigung?

Viele Tarife enthalten dafür einen jährlichen Betrag; Höhe und Zahl der Sitzungen unterscheiden sich. Ob die Zahnreinigung auf die Höchstbeträge der Zahnstaffel angerechnet wird, steht in den Bedingungen. Über den Schutz beim Zahnersatz sagt dieser Baustein wenig.

Kann der Versicherer den Vertrag kündigen?

Ordentlich nur in den ersten drei Versicherungsjahren, mit drei Monaten Frist zum Ende eines Versicherungsjahres (§ 206 Abs. 2 VVG). Die Verbraucherzentrale rät zu Tarifen, in denen der Versicherer auf dieses Recht verzichtet, sonst könnte er den Vertrag noch während der Zahnstaffel beenden.

Wartezeit, Staffel, Erstattung im Vergleich

Wir legen die Bedingungen mehrerer Tarife nebeneinander, bevor Sie einen Antrag stellen. Rechnet sich der Schutz für Sie nicht, sagen wir das.