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Ratgeber · Haftpflicht

Gefälligkeits­schäden: Sie helfen beim Umzug und zerbrechen etwas. Zahlt Ihre Haftpflicht?

Meistens ja. Warum sich trotzdem hartnäckig das Gegenteil hält und wo die echten Lücken liegen.

, Versicherungsmakler, Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO · Stand:

Kurz gesagt

Zahlt die Privathaftpflicht bei Gefälligkeits­schäden?

In der Regel ja. Wer aus Gefälligkeit hilft und dabei fahrlässig etwas beschädigt, haftet grundsätzlich wie jeder andere (§ 823 BGB). Einen stillschweigenden Haftungsverzicht nehmen Gerichte nur ausnahmsweise an, und regelmäßig nicht, wenn der Helfer haftpflichtversichert ist (BGH, Urteil vom 26.04.2016, VI ZR 467/15). Dann zahlt seine Privathaftpflicht. Eine Klausel für Gefälligkeitsschäden sorgt zusätzlich dafür, dass der Versicherer sich nicht auf einen Haftungsverzicht beruft.

  • Umzugshilfe, Blumengießen, Babysitten: Schäden sind in der Regel über die Haftpflicht des Helfers gedeckt
  • Nicht gedeckt: geliehene Sachen, außer der Tarif schließt sie ein
  • Nicht gedeckt: Schäden mit einem geliehenen Auto (dafür sind dessen Kasko und Kfz-Haftpflicht da)
  • Nicht gedeckt: Schäden an Angehörigen, die mit Ihnen im Haushalt leben

Die Rechtslage

Haftet, wer aus Gefälligkeit hilft?

Lange hielt sich die Vorstellung, unter Freunden und Nachbarn werde stillschweigend auf Haftung verzichtet, und wo keine Haftung sei, zahle auch keine Versicherung. Der Bundesgerichtshof hat das 2016 zurechtgerückt: Es kann nicht ohne Weiteres angenommen werden, dass jemand, dem eine Gefälligkeit erwiesen wird, auf Schadenersatz verzichtet. Eine solche Beschränkung ist eine Ausnahme, und sie fehlt regelmäßig, wenn der Helfer gegen Haftpflicht versichert ist, denn ein Verzicht, der nur den Versicherer entlastet, entspricht nicht dem Willen der Beteiligten.

Im entschiedenen Fall hatte ein Nachbar während der Kur des anderen den Garten gegossen und das Wasser am Außenhahn nicht abgedreht. Der Schlauch löste sich nachts, der Keller lief voll. Die Gebäudeversicherung des Geschädigten zahlte und holte sich das Geld beim Helfer zurück (§ 86 VVG). Der BGH sah keinen Haftungsverzicht.

Die Klausel „Gefälligkeitsschäden“, die viele Tarife enthalten, hat damit eine klare Aufgabe: Der Versicherer verzichtet ausdrücklich auf den Einwand, es habe ein stillschweigender Haftungsverzicht bestanden. Das erspart Streit. Die Verbraucherzentrale zählt sie zu den Punkten, die eine gute Privathaftpflicht enthalten sollte (Stand 07.10.2025).

Typische Fälle

Wer zahlt bei welcher Gefälligkeit?

Nach den Musterbedingungen des GDV. Viele Tarife gehen weiter. Maßgeblich ist Ihr Vertrag.

Wer zahlt bei welcher Gefälligkeit?
SituationWer zahlt?Warum
Beim Umzug eines Freundes fällt Ihnen der Fernseher herunterIhre PrivathaftpflichtSie haften für Fahrlässigkeit; ein Haftungsverzicht wird bei bestehender Versicherung regelmäßig nicht angenommen.
Beim Blumengießen für die Nachbarn lassen Sie das Wasser laufenIhre PrivathaftpflichtOft zahlt zuerst deren Gebäude- oder Hausratversicherung und holt sich das Geld bei Ihnen zurück.
Die geliehene Bohrmaschine des Nachbarn geht kaputtNur wenn Ihr Tarif geliehene Sachen einschließtSchäden an geliehenen Sachen sind in den Musterbedingungen ausgeschlossen (A1-7.5).
Mit dem geliehenen Auto eines Freundes bauen Sie einen UnfallNicht die PrivathaftpflichtSchäden am Auto trägt dessen Vollkasko, Schäden bei anderen dessen Kfz-Haftpflicht (A1-7.14).
Sie helfen Ihren Eltern, die mit Ihnen in einem Haushalt lebenKeine HaftpflichtAnsprüche von Angehörigen im selben Haushalt sind ausgeschlossen (A1-7.4).

GDV, Allgemeine Versicherungsbedingungen für die Privathaftpflichtversicherung (AVB PHV), Stand Mai 2020. Die Übersicht ordnet ein und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.

Sind geliehene Sachen bei Ihnen mitversichert?

Das steht in Ihren Bedingungen, ebenso die Klausel für Gefälligkeitsschäden. Wir sehen für Sie nach.

Häufige Fragen

Was zu Gefälligkeits­schäden gefragt wird

Brauche ich die Klausel „Gefälligkeitsschäden“ überhaupt?

Sie ist sinnvoll. Nach der Rechtsprechung haften Sie in der Regel ohnehin, und Ihre Versicherung zahlt. Die Klausel schließt aus, dass der Versicherer im Einzelfall doch einen stillschweigenden Haftungsverzicht einwendet. Manche Tarife begrenzen die Leistung dafür auf eine eigene Summe. Auch das steht in den Bedingungen.

Gilt das auch, wenn ich mir etwas leihe?

Nein, das ist ein anderer Fall. Schäden an geliehenen Sachen sind in den Musterbedingungen ausgeschlossen (AVB PHV, A1-7.5). Einige Tarife schließen sie ein, oft mit einer eigenen Höchstsumme. Wer sich regelmäßig Werkzeug, Kamera oder Fahrrad leiht, sollte darauf achten.

Was ist, wenn ich mit dem Auto eines Freundes einen Unfall baue?

Dann ist die Privathaftpflicht nicht zuständig: Schäden durch den Gebrauch eines Autos sind dort ausgeschlossen (AVB PHV, A1-7.14). Den Schaden bei anderen trägt die Kfz-Haftpflicht des Autos, den Schaden am Auto dessen Vollkasko, mit Rückstufung beim Halter. Hat das Auto keine Vollkasko und haben Sie den Unfall verschuldet, haften Sie Ihrem Freund für den Schaden am Auto selbst.

Und wenn beim Helfen jemand verletzt wird?

Verletzt der Helfer eine andere Person, gilt dasselbe wie bei Sachschäden: Er haftet bei Fahrlässigkeit, und seine Privathaftpflicht zahlt. Verletzt er sich selbst, zahlen seine Krankenversicherung und, bei bleibenden Folgen, eine private Unfallversicherung.

Unsicher, wie es bei Ihnen aussieht?

Wir sehen uns Ihren Vertrag an und sagen Ihnen, was Ihre Haftpflicht in diesem Fall leistet. Das kostet Sie nichts. Wir werden über die Courtage vergütet. Und wenn nichts zu ändern ist, hören Sie auch das.