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Ratgeber · Gesundheit

Krankentagegeld: Was Selbstständige bekommen, wenn sie ausfallen

Ein Angestellter bekommt sechs Wochen lang sein Gehalt weiter. Wer selbstständig ist, bekommt vom ersten Krankheitstag an nichts, es sei denn, er hat vorgesorgt.

, Versicherungsmakler, Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO · Stand:

Kurz gesagt

Ab wann bekommen Selbstständige Krankengeld oder Krankentagegeld?

Selbstständige haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Von der gesetzlichen Kasse bekommen sie Krankengeld nur, wenn sie es wählen: mit einer Wahlerklärung ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit (§§ 44, 46 SGB V), mit einem Wahltarif der Kasse auch früher (§ 53 Abs. 6 SGB V). Daneben gibt es die private Krankentagegeldversicherung, eine Versicherung, die für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit einen vereinbarten Betrag zahlt, ab dem Tag, der im Vertrag steht.

  • Wahlerklärung: 14,6 statt 14,0 Prozent Beitragssatz, Krankengeld ab dem 43. Tag, drei Jahre Bindung
  • Wahltarif der Kasse: früherer Beginn gegen eigene Prämie (§ 53 Abs. 6 SGB V)
  • Privates Krankentagegeld: laut PKV-Verband ab dem vierten Krankheitstag möglich
  • Höchstens das Nettoeinkommen aus der Tätigkeit (Betriebskosten sind nicht versichert)

Gesetzlich versichert

Bekommen Selbstständige Krankengeld von der Krankenkasse?

Nur, wenn sie es wählen. Hauptberuflich Selbstständige haben in der gesetzlichen Krankenversicherung zunächst keinen Anspruch auf Krankengeld und zahlen dafür den ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent plus Zusatzbeitrag. Mit einer Wahlerklärung gegenüber der Kasse wird das Krankengeld Teil der Mitgliedschaft (§ 44 Abs. 2 SGB V). Dann gilt der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent, das Krankengeld beginnt mit der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit (§ 46 SGB V), und die Wahl bindet Sie drei Jahre.

Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des Arbeitseinkommens, nach dem zuletzt Ihre Beiträge bemessen wurden, 2026 höchstens 135,63 Euro am Tag (§ 47 SGB V). Wer niedrige Beiträge zahlt, bekommt entsprechend wenig. Und: Geht die Wahlerklärung ein, während Sie schon arbeitsunfähig sind, wirkt sie erst ab dem Tag nach dem Ende dieser Arbeitsunfähigkeit (§ 44 Abs. 2 SGB V). Wer bis zur Krankheit wartet, wartet zu lange.

Für einen anderen Beginn muss jede Kasse Selbstständigen einen Wahltarif Krankengeld anbieten (§ 53 Abs. 6 SGB V). Ab welchem Tag und in welcher Höhe er zahlt, legt die Satzung der Kasse fest. Die Prämie darf nicht nach Alter, Geschlecht oder Krankheitsrisiko gestaffelt sein, und auch hier gilt eine Bindung von drei Jahren (§ 53 Abs. 8 SGB V).

Die Wege im Vergleich

Welche Absicherung zahlt ab wann?

Vier Wege, das Einkommen bei Krankheit abzusichern. Sie schließen sich nicht aus: Ein privates Tagegeld lässt sich auch neben der gesetzlichen Kasse abschließen, etwa für die ersten sechs Wochen.

Welche Absicherung zahlt ab wann?
WegAb wannWie vielWas es kostet und bindet
Gesetzlich ohne Wahlerklärung und ohne WahltarifKein Krankengeld—Ermäßigter Beitragssatz 14,0 % plus Zusatzbeitrag
Gesetzlich mit WahlerklärungAb dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit70 % des Arbeitseinkommens, nach dem die Beiträge bemessen werden; 2026 höchstens 135,63 € am TagAllgemeiner Beitragssatz 14,6 % plus Zusatzbeitrag; drei Jahre Bindung
Wahltarif der KrankenkasseWie in der Satzung der Kasse festgelegt, frühestens ab dem Tag, an dem der Arzt die Arbeitsunfähigkeit feststelltNach dem Tarif der KasseEigene Prämie, nicht nach Alter, Geschlecht oder Krankheitsrisiko gestaffelt; drei Jahre Bindung
Private KrankentagegeldversicherungAm vereinbarten Tag; laut PKV-Verband ab dem vierten Krankheitstag möglichVereinbarter Tagessatz, höchstens das Nettoeinkommen aus der beruflichen TätigkeitBeitrag nach Eintrittsalter, Gesundheit und Beginn; Gesundheitsprüfung; allgemeine Wartezeit drei Monate (nicht bei Unfällen), für Psychotherapie acht

Nach §§ 44, 46, 47, 53 SGB V, Verbraucherzentrale (Stand 10.02.2026), MB/KT 2009 §§ 3, 4 und PKV-Verband; Höchstkrankengeld 2026 nach vdek. Wer über die Künstlersozialkasse versichert ist, hat Anspruch auf Krankengeld ab der siebten Woche auch ohne Wahlerklärung.

Der Beginn

Ab welchem Tag sollte das Krankentagegeld zahlen?

Für Selbstständige ist das selten eine Grundsatzfrage und fast immer eine Frage des Beginns. Je später die Zahlung einsetzt, desto niedriger ist der Beitrag. Wer Rücklagen für einige Wochen hat, kann die Zeit bis zu einem späteren Beginn selbst tragen. Wer ohne Polster arbeitet, braucht einen frühen.

Der Beginn sollte zum Rest der Absicherung passen. Wer die Wahlerklärung abgegeben hat, bekommt ab dem 43. Tag Krankengeld und braucht privat vor allem die sechs Wochen davor und bei einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze einen Aufschlag danach. Krankengeld und Tagegeld zusammen dürfen das Nettoeinkommen nicht übersteigen (MB/KT § 4 Abs. 2).

Versichert ist Einkommen, nicht der Betrieb. Maßgeblich ist das Nettoeinkommen aus der beruflichen Tätigkeit; wie es bei Selbstständigen berechnet wird, legen die Tarifbedingungen fest. Miete für Praxis- oder Büroräume, Leasingraten und Gehälter von Mitarbeitern laufen im Krankheitsfall weiter, stecken in diesem Betrag aber nicht. Wie sich diese Kosten absichern lassen, gehört in dasselbe Gespräch.

Ein typisches Beispiel

Angenommen, eine selbst­ständige Physiotherapeutin bricht sich die Hand

Sie ist freiwillig gesetzlich versichert und hat die Wahlerklärung abgegeben. Acht Wochen lang kann sie nicht behandeln. Die Krankenkasse zahlt Krankengeld erst ab dem 43. Tag. Die ersten sechs Wochen trägt sie selbst, während die Miete für die Praxisräume weiterläuft. Ein privates Krankentagegeld mit früherem Beginn hätte diese Wochen überbrückt. Die Praxismiete hätte es nicht übernommen: Versichert ist ihr Einkommen, nicht der Betrieb.

Worauf wir achten

Worauf kommt es im Vertrag für Selbstständige an?

Kündigung in den ersten drei Jahren

Ein Tagegeld, für das kein Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt, darf der Versicherer in den ersten drei Jahren ordentlich kündigen (§ 206 Abs. 1 VVG). Das betrifft genau Selbstständige. Ob der Tarif auf dieses Recht verzichtet, gehört zu den ersten Fragen.

Herabsetzung bei sinkendem Einkommen

Für Selbstständige zählt nach den Musterbedingungen das letzte abgelaufene Kalenderjahr. Lag das Einkommen darunter, darf der Versicherer Tagegeld und Beitrag herabsetzen, auch wenn die Arbeitsunfähigkeit schon eingetreten ist. Das wirkt ab dem zweiten Monat nach der Mitteilung (MB/KT § 4 Abs. 4). Bei schwankenden Einnahmen ist das die wichtigste Klausel.

Wartezeit nach Abschluss

Neben dem vereinbarten Beginn gilt nach den Musterbedingungen eine allgemeine Wartezeit von drei Monaten ab Versicherungsbeginn, die bei Unfällen entfällt, und eine besondere von acht Monaten für Psychotherapie, Zahnbehandlung und Zahnersatz (MB/KT § 3). Wer erst abschließt, wenn eine Behandlung absehbar ist, ist in dieser Zeit nicht geschützt.

Anschluss an die Berufs­unfähigkeit

Das Tagegeld deckt die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit. Für den Fall, dass daraus mehr wird, braucht es eine Berufsunfähigkeitsversicherung, und beide Verträge sollten lückenlos ineinandergreifen.

Häufige Fragen

Was Selbstständige zum Krankentagegeld fragen

Ist Krankentagegeld steuerpflichtig?

Nein. Leistungen aus einer Krankenversicherung sind steuerfrei (§ 3 Nr. 1 Buchst. a EStG). Das gesetzliche Krankengeld unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) und erhöht so den Steuersatz auf das übrige Einkommen; privates Krankentagegeld nicht. Der Bundesfinanzhof hat diese Unterscheidung 2014 bestätigt (III R 36/13). Was das für Ihre Steuererklärung heißt, klärt ein Steuerberater.

Kann ich als gesetzlich Versicherter zusätzlich ein privates Tagegeld abschließen?

Ja. Es zahlt dann neben der Kasse, etwa für die sechs Wochen, bevor das Krankengeld nach der Wahlerklärung einsetzt. Zusammen dürfen Krankengeld und Tagegeld Ihr Nettoeinkommen nicht übersteigen; eine spätere Einkommensminderung müssen Sie dem Versicherer mitteilen (MB/KT § 4).

Zahlt das Tagegeld auch nach einem Unfall?

Ja. Es knüpft an die Arbeitsunfähigkeit an, nicht an ihre Ursache. Ob Krankheit oder Unfall, spielt für den Anspruch keine Rolle.

Was ist, wenn ich nur teilweise arbeiten kann?

Dann zahlt das Tagegeld nach den Musterbedingungen nicht. Arbeitsunfähig ist, wer seine berufliche Tätigkeit vorübergehend in keiner Weise ausüben kann, sie auch nicht ausübt und keiner anderen Erwerbstätigkeit nachgeht (MB/KT § 1 Abs. 3). Wer trotzdem Aufträge bearbeitet, gefährdet den Anspruch. Ob während einer stufenweisen Wiedereingliederung gezahlt wird, bestimmt der Tarif.

Was passiert, wenn aus der Krankheit eine Berufsunfähigkeit wird?

Dann endet der Vertrag. Berufsunfähig im Sinne der Musterbedingungen ist, wer im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit zu mehr als 50 Prozent erwerbsunfähig ist. Läuft gerade eine Arbeitsunfähigkeit, endet der Vertrag spätestens drei Monate nach Eintritt der Berufsunfähigkeit (MB/KT § 15). Das Tagegeld schließt die Lücke vor der Berufsunfähigkeitsversicherung, nicht an ihrer Stelle.

Ich bin über die Künstlersozialkasse versichert. Was gilt für mich?

Sie haben Anspruch auf Krankengeld ohne Wahlerklärung, ab der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit. Mit einem Wahltarif Ihrer Kasse beginnt es früher, spätestens mit der dritten Woche (§ 46, § 53 Abs. 6 SGB V).

Welcher Beginn passt zu Ihren Rücklagen?

Wir rechnen Wahlerklärung, Wahltarif und privates Tagegeld mit Ihren Zahlen durch. Passt Ihre Absicherung schon, hören Sie auch das.