Kfz-Versicherer kalkulieren nach Schadenstatistik. Die Statistik des GDV beruht auf rund 100 Millionen Verträgen und zeigt: Ältere Fahrer verursachen im Schnitt mehr Schäden als Fahrer mittleren Alters, mit dem Alter steigt die Schadenhäufigkeit. Deshalb gibt es das Beitragsmerkmal Nutzeralter. Gemeint ist in der Regel das Alter des Versicherungsnehmers; sind Fahrer unter 25 Jahren eingetragen, meist das des jüngsten. Der GDV unterscheidet 18 Altersklassen, die höchste beginnt bei 85. Wer 70 ist, liegt nach seiner Statistik bereits im Bereich mit Zuschlag.
Wie stark der Zuschlag wirkt, hängt an der Schadenfreiheitsklasse. Der GDV rechnet das an einem fiktiven Beispiel vor: Ein 75-Jähriger, der noch in derselben SF-Klasse 15 stünde wie ein 45-Jähriger, zahlte 94 Prozent mehr. Hat er — realistischer — in 30 schadenfreien Jahren SF 45 erreicht, sind es 14 Prozent.
Die amtliche Unfallstatistik zeigt ein ähnliches Bild. Waren Autofahrer ab 65 im Jahr 2024 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt, galten sie in 68,4 Prozent der Fälle als Hauptverursacher, bei den 25- bis 64-Jährigen in 52,3 Prozent. Bei Fahrern ab 75 waren es 2023 76,7 Prozent. Zugleich sind Ältere seltener an Unfällen beteiligt, als ihr Bevölkerungsanteil erwarten ließe: Sie stellten 2024 16,0 Prozent der Autofahrer, die an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, bei 22,7 Prozent der Bevölkerung. Das Statistische Bundesamt führt das unter anderem darauf zurück, dass sie nicht mehr regelmäßig zur Arbeit fahren. Für den Beitrag zählt die geringere Fahrleistung nach Einschätzung der BaFin aber nur dort, wo der Tarif nach Kilometern unterscheidet.
Erlaubt ist die Staffelung nach dem Alter nur unter einer Bedingung: Bei privaten Versicherungen muss sie auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruhen, insbesondere auf einer versicherungsmathematisch ermittelten Risikobewertung unter Heranziehung statistischer Erhebungen (§ 20 Abs. 2 Satz 2 AGG). Die BaFin hat in einer Marktuntersuchung, veröffentlicht im Januar 2021, die Tarife von 40 Versicherern und Versicherungsgruppen sowie vier Niederlassungen von Versicherern aus dem Europäischen Wirtschaftsraum geprüft — mehr als 75 Prozent des Marktes — und keine Anhaltspunkte für Verstöße gefunden. Nach ihren Feststellungen schöpften viele Versicherer die rechnerisch zulässigen Zuschläge für Ältere nicht voll aus. Die 63- bis 67-Jährigen zahlten damals im Schnitt sogar die niedrigsten Beiträge aller Altersgruppen.