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Ratgeber · Allgemein

Beitragserhöhung bei der Versicherung: Was Sie jetzt dürfen

Eine Erhöhung ist kein Schicksal. In vielen Fällen öffnet sie ein Fenster, das sonst nur einmal im Jahr offen steht.

, Versicherungsmakler, Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO · Stand:

Kurz gesagt

Darf ich kündigen, wenn mein Versicherungs­beitrag erhöht wird?

In vielen Fällen ja. Erhöht ein Versicherer den Beitrag aufgrund einer Anpassungsklausel, ohne dass sich der Schutz entsprechend ändert, können Sie innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen, und zwar mit sofortiger Wirkung, frühestens aber zu dem Zeitpunkt, ab dem der höhere Beitrag gelten soll (§ 40 VVG). Das gilt grundsätzlich in allen Sparten mit Anpassungsklausel, auch in der Kfz-Versicherung. Für die private Krankenversicherung gilt eine eigene Frist von zwei Monaten (§ 205 Abs. 4 VVG).

  • Frist: ein Monat ab Zugang der Mitteilung (§ 40 Abs. 1 VVG)
  • Der Versicherer muss auf das Kündigungsrecht hinweisen und die Erhöhung spätestens einen Monat vorher mitteilen
  • Steigt mit dem Beitrag auch der Schutz (etwa die Versicherungssumme in der Wohngebäudeversicherung), besteht in der Regel kein Sonderkündigungsrecht
  • Private Krankenversicherung: zwei Monate ab Zugang (§ 205 Abs. 4 VVG)
  • Erst den neuen Vertrag sichern, dann den alten kündigen

Nach Sparte

Wann eine Erhöhung ein Kündigungsrecht auslöst

Nach dem Versicherungsvertragsgesetz und den Musterbedingungen des GDV. Ihr Vertrag kann im Einzelnen abweichen.

Wann eine Erhöhung ein Kündigungsrecht auslöst
Sparte und AnlassSonderkündigungGrundlage
Jede Versicherung mit Anpassungsklausel: Beitrag steigt, Schutz bleibt gleichein Monat ab Zugang der Mitteilung§ 40 VVG
Kfz: neue Typklasse, Regionalklasse oder Tarifänderungein Monat ab Zugang der Mitteilung§ 40 VVG, AKB G.2.7
Kfz: Rückstufung nach Schaden, geänderte Merkmale wie Fahrleistung oder Nutzerkreis, UmzugneinAKB G.2.7, K.1 bis K.3
Kfz: Art oder Verwendung des Autos ändert sich, Beitrag steigt um mehr als 10 Prozentein Monat ab Zugang der MitteilungAKB G.2.8, K.5
Hausrat: Umzug, der Beitrag steigt durch die Beitragssätze am neuen Ortein Monat ab Zugang der MitteilungVHB 2022 A 16.5
Wohngebäude: jährliche Anpassung an Baupreise und Löhne (gleitender Neuwert)in der Regel nein, weil Schutz und Beitrag gemeinsam steigenVGB 2022 A 16, § 40 VVG
Private Krankenversicherung: Beitragsanpassungzwei Monate ab Zugang der Änderungsmitteilung§ 205 Abs. 4 VVG

VVG abgerufen am 23.09.2026; GDV-Musterbedingungen AKB 2015 (Stand 30.04.2025), VHB 2022 und VGB 2022 (Wert 1914).

Der Reflex

Erst die Ursache klären, dann über die Kündigung entscheiden

Eine Beitragserhöhung löst bei vielen den Reflex aus, sofort zu kündigen. Das ist verständlich, aber nicht immer richtig. Sinnvoll ist zuerst die Frage, warum erhöht wurde: Liegt es an einer allgemeinen Anpassung, an gestiegenen Schadenzahlen, an einer Änderung im eigenen Vertrag oder daran, dass die Versicherungssumme automatisch mitgewachsen ist?

Gerade der letzte Fall wird häufig verwechselt. Wird ein Gebäudevertrag jedes Jahr an Baupreise und Löhne angepasst, steigt mit dem Beitrag auch der Schutz (VGB 2022 A 16). Ein Sonderkündigungsrecht folgt daraus in der Regel nicht. Wie diese Anpassung berechnet wird und warum der Beitrag manchmal stärker steigt als die Baupreise, erklärt der Ratgeber „Wohngebäudeversicherung teurer?“.

Bei älteren Verträgen lohnt vor jeder Kündigung ein Blick auf die Bedingungen. Verträge aus früheren Jahren enthalten manchmal Regelungen, die es heute nicht mehr gibt, etwa günstigere Einstufungen oder Leistungen ohne die heute üblichen Ausschlüsse. Ein Wechsel, der ein paar Euro spart und eine solche Klausel kostet, ist kein Gewinn.

Die Mitteilung liegt schon vor Ihnen?

Wir sehen sie uns mit Ihnen an: woher die Erhöhung kommt, ob die Frist noch läuft und ob ein Wechsel etwas bringt.

Häufige Fragen

Was Versicherte zur Beitragserhöhung fragen

Ab wann läuft die Frist?

Ab Zugang der Mitteilung bei Ihnen, nicht ab dem Datum auf dem Schreiben und nicht ab dem Tag, an dem die Erhöhung wirksam wird. Heben Sie den Umschlag oder die E-Mail auf. Im Streitfall ist das Ihr Nachweis.

Gilt das auch bei der privaten Krankenversicherung?

Dort gelten eigene Regeln: Nach einer Beitragsanpassung können Sie innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Mitteilung kündigen (§ 205 Abs. 4 VVG). Eine Krankheitskostenversicherung, die Ihre Pflicht zur Versicherung erfüllt, endet aber nur, wenn Sie lückenlos einen neuen Vertrag nachweisen (§ 205 Abs. 6 VVG). Weil beim Wechsel Gesundheitsprüfung und Alterungsrückstellung eine Rolle spielen, lohnt es oft, zuerst einen Tarifwechsel beim eigenen Versicherer nach § 204 VVG zu prüfen.

Kann ich einfach den Beitrag nicht zahlen?

Nein, das kann teuer werden. Bei einem nicht gezahlten Folgebeitrag setzt der Versicherer eine Zahlungsfrist; danach kann er leistungsfrei sein und kündigen (§ 38 VVG). In der Kfz-Versicherung kann er der Zulassungsbehörde melden, dass kein Versicherungsschutz mehr besteht. Die setzt das Auto dann außer Betrieb (§ 51 FZV).

Was, wenn ich die Frist verpasst habe?

Dann bleibt die reguläre Kündigung zum Ende des Versicherungsjahres. Prüfen Sie trotzdem: Fehlt in der Mitteilung der Hinweis auf das Kündigungsrecht, den § 40 VVG verlangt, lohnt ein genauer Blick. Manchmal ergibt sich auch aus einem anderen Anlass ein Kündigungsrecht: nach einem Schadenfall oder bei der Hausratversicherung nach einem Umzug, der den Beitrag erhöht.

Unsicher, wie es bei Ihnen aussieht?

Wir sehen uns an, woher die Erhöhung kommt und ob sich ein Wechsel lohnt. Das kostet Sie nichts. Wir werden über die Courtage vergütet. Und wenn nichts zu ändern ist, hören Sie auch das.