Ratgeber · Allgemein
Der Beitrag steigt: Was Sie jetzt dürfen
Eine Erhöhung ist kein Schicksal. In vielen Fällen öffnet sie ein Fenster, das sonst nur einmal im Jahr offen steht.
Kurz gesagt
Darf ich kündigen, wenn mein Versicherungsbeitrag erhöht wird?
In vielen Fällen ja. Erhöht ein Versicherer den Beitrag, ohne dass sich die Leistung entsprechend verbessert, entsteht in der Regel ein Sonderkündigungsrecht — und zwar unabhängig von der gewöhnlichen Kündigungsfrist. Die Frist dafür ist kurz: Bei der Kfz-Versicherung beträgt sie einen Monat ab Zugang der Mitteilung (§ 40 VVG), bei anderen Sparten gelten je nach Bedingungen ähnliche Fristen. Wer die Mitteilung ungelesen ablegt, verliert dieses Recht.
- Kfz: ein Monat ab Zugang der Erhöhungsmitteilung (§ 40 VVG)
- Die Erhöhung muss dem Kunden nachweislich zugegangen sein
- Eine reine Anpassung wegen gestiegener Versicherungssumme zählt oft nicht
- Bei der privaten Krankenversicherung gelten eigene, strengere Regeln
- Erst den neuen Vertrag sichern, dann den alten kündigen
Der Reflex
Kündigen ist selten die beste erste Reaktion
Eine Beitragserhöhung löst bei vielen den Reflex aus, sofort zu kündigen. Das ist verständlich und oft falsch. Sinnvoll ist zuerst die Frage, warum erhöht wurde: Liegt es an einer allgemeinen Anpassung, an gestiegenen Schadenzahlen, an einer Änderung im eigenen Vertrag oder daran, dass die Versicherungssumme automatisch mitgewachsen ist?
Gerade der letzte Fall wird häufig verwechselt. Wenn ein Gebäudevertrag jedes Jahr an den Baupreisindex angepasst wird, steigt der Beitrag, aber auch die Leistung — das ist meist keine Erhöhung im Sinne des Sonderkündigungsrechts, sondern der eingebaute Schutz vor Unterversicherung. Wer hier kündigt, kündigt sich eine sinnvolle Klausel weg.
Bei älteren Verträgen lohnt vor jeder Kündigung ein Blick auf die Bedingungen. Verträge aus früheren Jahren enthalten manchmal Regelungen, die es heute nicht mehr gibt — etwa günstigere Einstufungen oder Leistungen ohne die heute üblichen Ausschlüsse. Ein Wechsel, der zehn Euro spart und eine solche Klausel kostet, ist kein Gewinn.
Häufige Fragen
Beitragserhöhung — was Versicherte fragen
Ab wann läuft die Frist?
Ab Zugang der Mitteilung bei Ihnen, nicht ab dem Datum auf dem Schreiben und nicht ab dem Tag, an dem die Erhöhung wirksam wird. Heben Sie den Umschlag oder die E-Mail auf — im Streitfall ist das Ihr Nachweis.
Gilt das auch bei der privaten Krankenversicherung?
Dort gelten eigene Regeln. Bei einer Beitragsanpassung haben Sie ein Kündigungsrecht, aber ein Wechsel ist wegen der Gesundheitsprüfung und der Alterungsrückstellungen eine weitreichende Entscheidung. Häufig ist ein Tarifwechsel innerhalb derselben Gesellschaft nach § 204 VVG der bessere Weg.
Kann ich einfach den Beitrag nicht zahlen?
Nein, das ist der teuerste Weg. Bei ausbleibender Zahlung kann der Versicherer mahnen und den Schutz aussetzen — bei der Kfz-Versicherung droht zusätzlich die Stilllegung des Fahrzeugs durch die Zulassungsstelle.
Was, wenn ich die Frist verpasst habe?
Dann bleibt die reguläre Kündigung zum Vertragsende. Rufen Sie trotzdem an: In manchen Fällen war die Mitteilung formal fehlerhaft, in anderen ergibt sich ein Kündigungsrecht aus einem anderen Anlass — einem Schadenfall, einem Fahrzeugwechsel, einem Umzug.
Unsicher, wie es bei Ihnen aussieht?
Wir sehen uns an, ob die Erhöhung bei Ihnen berechtigt ist — kostenlos, und wenn nichts zu ändern ist, hören Sie auch das.